Am 25.November 1959 wurde ich, Matthias Skibbe in Neubrandenburg geboren.
Mein Vater Gerd Skibbe arbeitete als Fischer auf dem Tollensesee, nachdem er ein Studium am Berufspädagogischen Institut Greifswald, mit dem Ziel Berufsschullehrer zu werden, aufgeben musste. Die Schulleitung hatte ihn aufgefordert, sich eindeutig zu entscheiden. Entweder Partei- oder Kirchenmitgliedschaft, beides zusammen ginge nicht. Gerd Skibbe hat dann bis zum Renteneintritt 1992 als Fischer und ab der Wende als Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Tollense gearbeitet.
Meine Mutter Erika Standtke war eine sehr liebevolle und mütterliche Frau, die ihre Erfüllung in der Aufgabe als Mutter gefunden hatte. Ihren Beruf als Krankenschwester übte sie erst wieder aus, als mein 6 Jahre älterer Bruder Hartmut mit seinem Schulabschluss fast fertig war und ich in die 6. Klasse ging. Für sie waren ihre Kinder und ihr Mann, neben dem Evangelium, das Wichtigste im Leben.
Ich habe mich immer von meinem Vater und meiner Mutter bedingungslos geliebt gefühlt, was mir bis heute Stabilität gibt.
Meine Mutter hatte sich schon als junges Mädchen Fragen gestellt über das Leben. Ihr Vater ist im Krieg gefallen, wie schon der Großvater auch, an der Westfront. Sie hat nach Antworten gesucht, die den Zweck des Lebens, das woher und wohin erklären. Von Hause aus evangelisch, hatte sie keine befriedigende Antwort erhalten, bis sie Versammlungen der Kirche Jesu Christ der Heiligen der Letzten Tage in Neubrandenburg besuchte. Die Gemeinde der Kirche bestand schon seit 1910, und führte Gottesdienst in Wohnungen von Mitgliedern oder in angemieteten Räumen durch.
Mein Vater war schon als 8 Jähriger 1938 in Wolgast getauft worden, nachdem seine Eltern Wilhelm und Juliane Skibbe, Anfang der 30er Jahre, die Kirche Jesu Christi gefunden hatten.
Nach dem Krieg und mit zwei politischen Ideologien im Kopf, war Vater als junger Mann zunächst sehr angesprochen von der Idee des Kommunismus. Ihm schienen viele Grundsätze von denen die Partei sprach, mit denen des Evangeliums Jesu Christi zusammenzupassen.
Jedoch die Diskrepanz zwischen dem Reden und Handeln der Genossen, und die Anwendung von Gewalt und Druck, führten ihn bald zu einer Entscheidung für die Kirche Jesu Christi und das Evangelium.
Ich habe meine Eltern immer als Menschen erlebt, die bemüht waren, das, was sie teilweise selbst sonntags in der Kirche gesprochen haben und das, was sie mir vermitteln wollten, im eigenen Leben anzuwenden. Beide waren nicht vollkommen, aber das erwarten Kinder von Eltern auch nicht.
Solange ich mich erinnern kann, haben meine Eltern sehr offen über ihren Glauben, ihre Gedanken, Zweifel und Sorgen gesprochen. Für Sie war das Evangelium Jesu Christi der Maßstab für Entscheidungen und Hilfe für ihr Leben. Als Kind habe ich dies bereits ganz deutlich empfunden. Mein Vater hat nie einen Hehl aus seiner politischen und zur DDR-Politik kritischen Meinung gemacht. Seine polische und religiöse Anschauung von der Freiheit der Gedanken und der Glaube, das eine Verbesserung der Welt nur durch die Arbeit an sich selbst erreicht werden kann, durch Umkehr, wie Jesus sie gelehrt hat und nicht durch Revolutionen, haben mich als Kind schon beeindruckt.
In der Kirche Jesu Christi sollten alle Männer und Jungen ab 12 Jahren Priester sein!
Bedingung dafür ist das Bemühen nach den Geboten Gottes zu leben und die Taufe durch Untertauchen. Wenn der Wille und das Verständnis vorhanden sind, wird durch das Auflegen der Hände von Priestern, das Priestertum übertragen. Der Betreffende wird ordiniert zu einem Amt im Priestertum und damit verbundenen Aufgaben und Vollmachten. In Übereinstimmung mit der Bibel und genau wie in der Urkirche, ist die Ordination nicht an ein Theologiestudium gebunden, sondern an das Verhalten, das Verständnis und den Glauben.
Selbstverständlich wird von einem Priester erwartet, die Heiligen Schriften zu kennen und sie durch tägliches Studium ständig auf sich zu beziehen. Mich persönlich hat der Vers 48 im 5. Kapitel des Matthäus tief beeindruckt, in dem es heißt „Ihr sollt also vollkommen sein, wie es euer Vater im Himmel ist.“
Heute verstehe ich Religion als das laufende und ernsthafte Reflektieren von Erlebnissen und Eindrücken auf mein eigenes Leben und in Bezug auf Gott.
Ich möchte mich ständig prüfen, wo ich etwas lernen und mein Verhalten verbessern kann, um mehr so zu werden, wie Jesus Christus ist.
Umkehr von falschen Entscheidungen, unguten Gefühlen gegenüber anderen Menschen, falschen Verhaltensmustern ist etwas sehr schönes und wichtiges. Umkehr hilft positiv zu denken und Kraft zu haben, die Aufgaben des Lebens anzupacken, zu bewältigen und dabei Freude zu haben. Umkehr hilft Glücklich zu sein und Frieden zu empfinden.
Erinnerungen prägen unser Denken, unsere Einstellung und unsere Wahrnehmung! Umkehr bedeutet für mich, Erinnerungen mit einem negativen Vorzeichen in eine Erfahrung mit positiven Vorzeigen umzukehren; aus allem das Beste zu machen.
Wenn ich den letzten Absatz etwas ausführlicher geschrieben habe, dann um zu verdeutlichen, was es für mich bedeutet, Priester zu sein. Priester zu sein bedeutet für mich nicht ein Amt auszuüben, einen Titel zu tragen, Anerkennung zu erhalten, oder in der Kirche administrative Aufgaben wahrzunehmen, wobei letzterer Punkt natürlich dazugehört.
Priester zu sein bedeutet für mich die Verpflichtung an mir zu arbeiten.
Um es noch deutlicher zu beschreiben, möchte ich zwei meiner Lieblingsschriftstellen in diesem Zusammenhang zitieren. Beide stammen aus neuzeitlichen Offenbarungen, von denen ich genauso wie von der Bibel überzeugt bin, dass sie aus göttlicher Quelle stammen.
„Das sie (die Mächte des Priestertums) uns übertragen werden können ist wahr; aber wenn wir versuchen, unsere Sünden zu verdecken oder unseren Stolz und eitlen Ehrgeiz zu befriedigen, oder wenn wir auch nur im geringsten Maß von Unrecht irgendwelche Gewalt oder Herrschaft oder Nötigung…ausüben wollen; siehe dann ziehen sich die Himmel zurück und der Geist des Herrn ist betrübt und wenn er sich zurückgezogen hat, dann Amen zum Priestertum jenes Mannes.“ Lehre und Bündnisse Kap. 121 Vers 37
„..Und da mir gewahr wurde, dass mir mehr Glück und Frieden und Ruhe beschieden sein würde, trachtete ich nach den Segnungen (des Priestertums) der Väter und dem Recht, wozu ich ordiniert sein musste, um in ihnen zu walten; da ich selbst ein Nachfolger der Rechtschaffenheit war und auch wünschte, jemand zu sein, der viel Erkenntnis besaß und ein besserer Nachfolger der Rechtschaffenheit zu sein und mehr Erkenntnisse zu besitzen…ein Fürst des Friedens und wünschte Belehrungen zu empfangen und die Gebote Gottes zu halten, wurde ich ein rechtmäßiger Erbe, ein (Priester)…..“ Köstliche Perle Abraham 1 Vers 2
(Einfügungen und Kürzungen durch den Verfasser.)
Erkenntnisse oder Wissen macht verantwortlich. Ein Leben nach Erkenntnissen und Lernbereitschaft, führen zu weiterem Wissen und noch mehr Verantwortung.
Dies entspricht meiner Vorstellung von Evolution, wenn auch nur als Teilaspekt des Begriffs.
Da ich das Glück hatte in meiner Kindheit und Jugend bis heute viele gute Vorbilder zu haben, die den oben kurz beschrieben Grundsatz versuchten zu leben, habe ich als Jugendlicher den Wusch entwickelt auch ein Priester zu sein.
Mit 12 Jahren erhielt ich im Auftrag des Gemeindepräsidenten durch meinen Vater das Priestertum und wurde durch ihn zum Amt eines Diakons ordiniert. An meinem 16. Geburtstag ordinierte mich mein Vater zum Priester und in meinem 19. Lebensjahr zum Ältesten.
Alles was ich bisher in diesem Zusammenhang gelernt habe und was ich in den Heiligen Schriften dazu finden konnte, lässt mich erahnen, welchen Zweck Gott, unser Himmlischer Vater, für einen Zweck verfolgt, wenn er Menschen das Priestertum überträgt, sie zu Priestern beruft.
Priester (alle Menschen, aber besonders die Männer) sollen lernen, ihren Egoismus zu überwinden, mehr die Bedürfnisse anderer als die eigenen im Mittepunkt ihres Lebens zu sehen. Sie sollen gute Ehemänner und Familienväter sein und Verantwortung für ihr Leben und die Gesellschaft übernehmen. Sie haben die Chance durch das Priestertum anderen Menschen eine Hilfe, ein Segen zu sein und anderen Menschen die Hände aufzulegen und ihnen einen Segen im Namen Gottes zu geben.
Ich habe viele für mich wichtige, schöne und heilige Erfahrungen durch die Anwendung des Priestertums machen können. Ich weiß, dass es eine göttliche und reale Kraft besitzt, die anderen Menschen aber besonders meiner Familie und mir, eine große Hilfe war und ist.
Meine Familie hat meinen Wunsch Priester zu sein, aus einem wohl ähnlichen Verständnis des Inhalts heraus, wie oben beschrieben, stets gefördert und unterstützt. Ebenso viele meiner Freunde.
Meine Freunde aus der Schule, meine Arbeitskollegen – ich habe bisher als Elektroinstallateur, als Büromaschinenmechaniker und von 1990 an bis heute im Vertrieb gearbeitet – haben sehr unterschiedlich darauf reagiert, wenn sie hörten, dass ich Priester bin.
Für viele Menschen ist ein Priester ein Mönch, ein Asket, ein eheloser im Zölibat lebender Mann. Irgendwie ein Mensch, der nicht so recht in diese aufgeklärte Welt passen will.
Ebenso verbinden viele Menschen in Ost-Deutschland mit dem Begriff Kirche alte modrige Gebäude, frömmelnde Leute und Menschen in Talaren, die würdevoll predigen.
Bis heute bin ich erstaunt von diesem Klischee, das so viele Menschen haben. Aber auch über die Vorurteile gegenüber Kirchen die nicht zu den beiden großen bekannten Großkirchen gehören. Hier gibt es sehr viele Missverständnisse und Vorurteile!
Die Kirche hat die Aufgabe Menschen zu motivieren, zu ermutigen, Antworten auf die wichtigsten Fragen des Lebens zu geben.
Die Kirche hat keinen Selbstzweck, wie Priester keinen Selbstzweck haben.
Kirche und Priester sollen den Menschen helfen, ihr Leben besser zu meistern, bessere Männer und Frauen, bessere Väter und Mütter zu sein. Bessere Unternehmer oder Arbeitnehmer.
Sie soll auffordern, mehr zu Lernen und eine bestmögliche Ausbildung zu machen.
Auffordern mehr an sich selbst zu arbeiten um glücklicher zu sein.
Ich glaube, dass es die Absicht Gottes ist, dass alle Menschen lernen glücklich zu sein, in dem sie die Dinge tun, die Glücklich machen und dem Beispiel Jesu Christi darin folgen.
Matthias Skibbe
Auszug aus den 13. Glaubensartikeln mit Bezug auf Vollmacht und das Priestertum
5. „Wir glauben, dass man durch Prophezeiung und das Händeauflegen derer,die Vollmacht dazu haben, von Gott berufen werden muß, um das Evangelium zu predigen und seine heiligen Handlungen zu vollziehen.“
Im Folgenden die „Priestertumsline“ von Jesus Christus, von dem das Priestertum ausgeht, bis zu mir.
(Jeder Priester in der Kirche Jesu Christi könnte eine solche Linie nennen)
Jesus Christus
Petrus – Jakobus – Johannes siehe Matthäus 16 :19
Sidney Rigdon & Joseph Smith 1829 siehe Lehre und Bündnisse 13
Royal Barney 1835
Joseph W. Mc Murrin 1844, 21.April
Donald E. Frost 1929, 02.April
Walter Erich Krause 1931, 04.Oktober
Gerd Skibbe 1954, 17.November
Matthias Skibbe 1978, 12. März